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Im vergangenen Jahrhundert wurde die Nidda in zwei Wellen weitgehend hochwassersicher ausgebaut, zunächst in den Jahren 1926 bis 1930 im Gebiet der Stadt Frankfurt am Main, ab 1961 dann in der Wetterau, oberhalb von Frankfurt-Eschersheim. Der Maxime vom „schnellen Wasser“ folgend wurden Flussschleifen durchstochen, der Fluss wurde eingetieft und erhielt auf ganzer Länge ein einheitliches Trapezprofil.

Als 1974 die Ausbauarbeiten im Vogelsberg abgeschlossen waren, gab es erste Stimmen, die die ökologischen Folgeschäden beklagten: Austrocknung der Auen und dadurch Minderung der Artenvielfalt sowie die Unterbindung der Wanderung von Organismen. Denn sechs bewegliche Wehre regulierten nun den Wasserstand im Frankfurter Abschnitt der Nidda.

Das erste Wehr baute 1924/25 die damals noch selbstständige Stadt Höchst. Sie tat dies, um auch in abflussarmen Zeiten ihr Naturschwimmbad, das „Strandbad“, in einer Flussschleife der Nidda betreiben zu können. Die anderen Wehre wurden im Zuge der Nidda-Regulierung meist dort errichtet, wo vorher Mühlenwehre das Wasser gestaut hatten: 1927 in Hausen und Praunheim, 1928 in Eschersheim und Rödelheim, 1931 schließlich in Sossenheim.

Die beweglichen Wehre sollten die Hochwassergefahr bannen, die von den Mühlenwehren ausging. Deren Krone lag so hoch und deren Breite war so gering, dass sie Überschwemmungen verursachten. Ein weiterer, ein ästhetischer Grund für den Bau der Wehre: Bei Niedrigwasserabfluss wäre nur die Sohle des ausgebauten Flusses gerade eben von Wasser bedeckt. Es sei „ohne weiteres einleuchtend“ ist in einer Schrift aus der damaligen Zeit zu lesen, dass solch ein Gerinne „kein befriedigendes Bild gewährt“.

So gut die Stauregelung hydraulisch funktioniert, so problematisch sind die ökologischen Folgen. Die Stauregelung macht die Nidda zu einem „Hybridgewässer“. Sie ist nicht Fisch, nicht Fleisch, nicht Fluss, nicht Teich: Bei Niedrigwasser und gestellten Wehrklappen ähnelt sie einer Kette von Stauseen. Bei Hochwasser hat sie reißende Strömung, ein Debakel für Wassertiere. Und natürlich verhindern die Wehre den Fischaufstieg; auch die besten Schwimmer können die Absturzhöhen von bis zu 2,30 Metern nicht überwinden.